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Ein wenig Geschichte
Das Herver Land: eine malerische Landschaft voller Charme.
Unter "Herver Land" müssen Sie sich eine Vielzahl von Dörfern in dem Teil der Provinz Lüttich vorstellen, der zwischen Maas und Weser liegt und im Norden an Holland und im Osten an Deutschland grenzt. Es ist das Herzstück der multikulturellen Euregio, so wie es einst das Herzstück des Territoriums der Eburonen war, deren Anführer Ambiorix die Legionen Julius Cäsars das Fürchten lehrte.
Sämtliche Epochen der Vergangenheit haben in diesem Landstrich ihre Spuren hinterlassen. Die Urmenschen haben hier ihren Silex geschliffen, Steine, die überall reichlich vorkommen. Die " Vorzeitlichen Werkstätten des Aubeler Landes " sind weit über die Grenzen hinaus bekannt. Mit dem Einzug der Römer entstanden hier große Besitzungen, die von den Einwohnern "Villa" genannt wurden. Die bedeutendste unter ihnen ist zweifellos die von Fouron, aus der später ein Palast der Merowinger und der Karolinger werden sollte. Es gilt als sicher, dass Karl der Große hier in den weiten Wäldern, die damals das Herver Land bedeckten, zur Jagd ging. Denn schließlich wurede er doch in Herstal geboren und lebte in Aachen.
Ab dem Jahr 1000 zerfiel das Gebiet in eine Fülle von Kleinstaaten als Folge der Aufteilung des kaiserlichen "Fiskus" zu Gunsten der örtlichen Grundherren. Im Land zwischen Weser und Maas zählte man nicht weniger als 8 solcher Kleinstaaten. Das Herzogtum Limburg nahm wohl bis 1288, als es dem Herzogtum Brabant einverleibt wurde, eine Vorrangstellung unter ihnen ein. Ab dieser Zeit war es vorbei mit der Unabhängigkeit und mit der politischen Bedeutung der Region! Sie war nur noch eine unbedeutende Figur auf dem burgundischen, spanischen und österreichischen Schachbrett. Aber auf wirtschaftlichem Gebiet ist das Land keineswegs zurückgeblieben. Die Gründung der Abtei Val-Dieu im Jahre 1216 bedeutete nicht nur auf geistlicher Ebene einen beachtlichen Schritt vorwärts, sondern war gleichzeitig auch ein enormer wirtschaftlicher Ansporn, weil die Abtei auch auf landwirtschaftlichem Gebiet aktiv war und sich insbesondere durch die Urbarmachung des Bodens und Gewinnung neuer Ländereien hervor getan hat.
Ab dem 16. Jahrhundert verwandelte sich dieses Ackerland nach und nach zu Weideland. Der sehr feuchte Boden eignete sich besser für diese Art der Bewirtschaftung. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts hatten sich alle Dörfer darauf eingestellt.
Aus diesem Wandel heraus entstand der Marktflecken von Aubel, wo sich beide Bodenbewirtschaftungsformen begegneten und somit ein idealer Standort für den Handel war. Auch war es genau die Zeit, in der sich die Herstellung des Herver Käses entwickelte, den eine örtliche Bakterie einzigartig macht.
Im 18. Jahrhundert schließlich führte die Chaussee "Lüttich-Aachen" auf den Höhen des Plateaus die Region aus ihrer Abgeschiedenheit heraus. Jetzt konnte der Handel aufblühen. Auch die Industrie konnte hier Fuß fassen durch die Textilverarbeitung, die Kohlezechen und den Bleiabbau; es entstanden weitere Gerbereien und Schuhfabriken. Das 19. Jahrhundert war zweifellos die Blütezeit für das Herver Plateau. Obstbäume wurden in den Wiesen angepflanzt und mit ihnen entwickelten sich Sirup- und Cidrefabriken. Dies war der Beginn einer Agrar-Lebensmittelindustrie, die, als es mit der traditionellen Industrie bergab ging, immer mehr an Ansehen gewann und dem Herver und Aubeler Land dazu verhalf, dass ihre Namen für Qualität bürgten.
Diese reiche Vergangenheit hat den heutigen Bewohnern des Plateaus ein bedeutendes und bemerkenswertes Kulturerbe hinterlassen. Herausragendes Beispiel hierfür ist zweifellos die Abtei Val-Dieu. Tief im Tal der Berwinne gelegen hat sich die Abtei in einem zauberhaft grünen Landschaftsrahmen dank des einheitlichen Charakters ihrer Anlagen und der klaren Linien ihrer Architektur ihren alten Charme sehr gut bewahren können.
Burgen und Schlösser gibt es zuhauf. In jedem Dorf gibt es deren mindestens drei. Zu nennen wären da z.B. Schloss Bempt in Moresnet, Burg Streversdorp in Montzen, Schloss Crawhez in Clermont oder Beauregard in Charneux. Niemand bleibt unbeeindruckt, wenn er vor dem imposanten Schloss Bolland mit seinem befestigten Gutshof aus dem 17. Jahrhundert und dem Herrensitz aus dem 18. Jahrhundert steht.
Ebenso prächtig sind auch die Hauptgebäude der unzähligen Gutshöfe, die überall im Herver Land zu finden sind. In allen Bauwerken finden wir Naturstein, Zeichen für vergangenen Reichtum. Im 17. Jahrhundert dominierte der maasländische Renaissancestil mit seinen dicken Mauern und kleinen, mit Steinsprossen versehenen Fenstern. Im 18. Jahrhundert traten dann besonders die französischen Stile in Erscheinung, wie Louis-XIV und Louis-XV. Dies war auch die Blütezeit der Dörfer, die ihre Fachwerkhäuser zu Gunsten schöner Fassaden aus Ziegeln und Naturstein aufgaben. Clermont, Charneux, Aubel, Montzen, Herve, … haben ihren einstigen Charme bewahren können, indem sie ihre alten Bauwerke und moderne Gebäude harmonisch miteinander verbunden haben. Ein Spaziergang ist immer wieder eine bereichernde Erfahrung. Neben den typischen Wohnhäusern gibt's hier auch Kirchen, Kapellen, alte Kreuze und Denkmäler verschiedener Art zu entdecken, die überall in dieser Heckenlandschaft verstreut liegen.
Wenn jedoch auf dem Plateau die Steine eine Seele haben, so haben die Seelen auch ein Gesicht. Es sind die Menschen aus der Vergangenheit und der Gegenwart, die aus dieser Region ein besonderes "Land" gemacht haben oder immer noch machen. Was das Besondere an ihnen ist, ist diese eigenartige, aber vollständige Assimilation aller Elemente, die ihre Entwicklung im Laufe der Zeit beeinflusst haben. Die Bewohner des Plateaus sind in erster Linie unabhängige, freie Männer und Frauen, die sich wohl in ihrer Haut fühlen. Sie sind stolz, mutig, fleißig und ein wenig perfektionistisch. Wenn ihre Gedankenwelt auch eher konservativ geprägt sein mag, so sind sie auf wirtschaftlicher Ebene jedoch besonders unternehmerisch und avantgardistisch . Sie sind keine Kostverächter und verstehen es sehr gut, Feste zu feiern. Unter allen Umständen steht jedoch die Familie immer an erster Stelle! Fürwahr, bei solchen Menschen wird nicht so schnell Langeweile aufkommen.
Schließlich sei noch erwähnt, dass Tradition und Folklore im Herver Land eine wichtige Rolle spielen. So sollten wir die alten Bruderschaften der Bürgerwehr nicht unerwähnt lassen, wie z.B. die "Bruderschaft des Heiligen Hubertus" in Aubel, die fast 500 Jahre alt ist, oder auch die gastronomischen Bruderschaften wie die Bruderschaft des Herver Käs', die des Remoudou oder noch die des Lev'gos. Die Herver " Cavalcade ", ein mehr als hundert Jahre alter Karnevalsumzug, nimmt in der wallonischen Folklore eine ganz besondere Stellung ein. Ferner gibt es noch die "Nagelbäume", die Handelsmessen, die Märkte, die Legenden, ... Jawohl, die Region quillt über an Schätzen aus der Vergangenheit, einer Vergangenheit, die noch sehr lebendig ist.
Zahlreiche Wasserläufe, die gleich silbernen Fäden die Hänge der Hügel hinabfließen und sich durch die Täler schlängeln, ein fruchtbarer Landstrich mit Baumbeständen, unzählige Burgen, Schlösser und typische Gutshöfe, hübsche Dörfer im Hügelgelände oder in den Talmulden, ... das alles ist das Land, das man in Belgien ganz allgemein als "das Herver Plateau" zu bezeichnen pflegt. Thomas Lambiet Historiker - März 2002